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Grosseltern heute – gelegentlich Babysitter oder feste Größe bei der Kinderbetreuung?

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08/06/2010


Antonia Scheib-Berten

Moderator

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In alten Geschichten liest man von der Großmutter, die ihre Enkel beaufsichtigt und dabei strickt. Die Mutter ist auf dem Feld oder im Kuhstall. Die Kinder spielen am Kamin und die Katze schnurrt dabei. Die Großmütter in diesen Geschichten haben meist einen Haardutt und sind in dunkler Kleidung. Sie sind alte Frauen. Idylle perfekt?

 

Wie sind die Großmutter, der Großvater heute? Beim Betrachten der Lebensrealitäten kann die Antwort nur lauten: Unterschiedlich! Die Bandbreite geht von den berufstätigen Mittfünfzigern über die berenteten jungen Senioren, die auf Mallorca überwintern, bis hin zur klassischen Familiensituation der Hausfrau und dem ‚noch’ berufstätigen Opa. Daneben gibt es die Patchworkfamilien, die natürlich auch Patchwork-Großeltern haben. Den flotten Single-Opa und die frisch verliebte Single-Omi dürfen wir nicht vergessen. Natürlich gibt es demgegenüber auch kranke, alte oder vorgealterte Großeltern. Es fällt also sehr schwer, hier eine Norm festzumachen. Es gibt –wie auch bei jungen Menschen- keine klassische Normalbiografie mehr! Großeltern sind alle anders!

 

Gehen wir davon aus, dass Menschen, Frauen und Männer, die heute Großeltern werden, bereits eine Generation, nämlich die Eltern der Babies und Kleinkinder, erzogen haben. Manche Menschen im mittleren Lebensalter fanden darin eine große Erfüllung oder stellen heute fest, dass sie bei den eigenen Kindern etwas versäumt haben. „Ich hatte viel zu wenig Zeit für meine Kinder“, meint ein früh berenteter, früherer Abteilungsleiter. „Eigentlich nahm ich sie erst so richtig wahr, als sie längst dem Kleinkindalter entwachsen waren. Heute habe ich so viel Spaß mit meiner kleinen Enkelin. Ich hole vieles nach!“

Andere Großeltern sind froh, dass sie endlich keine Erziehungsverantwortung mehr haben und freuen sich, ab und zu ‚ein wenig verwöhnen zu dürfen’.

Und wieder andere wohnen viel zu weit weg, um realistisch aktiv werden zu können. Dass es auch hier Ausnahmen gibt, Omis nämlich, die bei Notrufen hunderte von Kilometern fahren, um den jungen Eltern zur Seite zu stehen, ist unbenommen.

Selbstverständlich gibt es auch die egozentrischen Großeltern, die so sehr mit sich selbst beschäftigt sind, dass sie die Sorgen und Nöte von jungen Eltern gar nicht wahrnehmen.

Nicht zu vergessen die Großeltern, die voll berufstätig und für verbindliche Kinderbetreuung überhaupt nicht verfügbar sind.

 

Man sieht, es gibt keine Norm. Dies gilt selbstverständlich auch hinsichtlich des Wunsches der jungen Eltern, Großeltern in die Erziehung zu involvieren. Nicht alle möchten die eigene Mutter oder Schwiegermutter (jetzt Oma) mitreden lassen bei Sauberkeitserziehung und Essensgewohnheiten, bei Schlafrhythmen und Fernsehkonsum. Interessant ist, dass insbesondere Eltern, bei denen die Großeltern in der Nähe wohnen und ggf. sogar verfügbar wären, diese Themen beschäftigen – sie aber häufig nicht zu verbalisieren wagen. „Ich kann doch mein Kind wegen meiner Berufstätigkeit nicht in eine Krippe geben, wenn meine Mutter bereit wäre, den Kleinen zu betreuen“ meint eine junge Mutter und verzichtet länger als eigentlich gewünscht auf die Rückkehr an den Arbeitsplatz, um dadurch einen familiären Konflikt zu vermeiden.

 

Manchmal läuft es jedoch auch ganz nach Wunsch. Die Schwiegertochter versteht sich mit der Schwiegermutter, die sich freut, die junge Familie zu unterstützen. Die Omi passt auf das Kind auf und die Eltern können –ohne fremde Unterstützung- beide berufstätig sein. So wird die Zeit bis zum Kindergartenalter überbrückt und danach übernimmt der  Opa die Randzeiten, denn arbeitnehmerfreundliche Hol- und Bringzeiten in Kindergärten sind noch lange nicht die Regel. Dass dann mit der Einschulung das Problem nicht endet, davon können Familien ein Lied singen.

 

Haben Sie eigene Erfahrungen gemacht als Großeltern mit der Kinderbetreuung der Enkel? Wünschen sich Ihre Kinder, dass Sie sich in der Enkel-Betreuung verstärkt einbringen – wollen Sie das jedoch gar nicht? Oder lassen Ihre Kinder nicht zu, dass Sie sich um die Enkel kümmern? Wollen Sie gerne mal ab und zu babysitten, aber nicht die ganze Verantwortung für die Tagesbetreuung übernehmen? Wohnen Sie so weit weg, dass Sie nur aus der Ferne Empfehlungen aussprechen können bzw. ‚zum Trost’ externe Kinderbetreuungskosten für die junge Familie übernehmen?

Wie sind Ihre eigenen Wünsche? Was hat sich geändert in der Gesellschaft im Vergleich zu der Zeit, in der Sie selbst junge Eltern waren? Würden Sie gerne tauschen und JETZT junge Eltern sein? Oder war früher doch alles besser?

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